Seit Jahresbeginn ist das Energieeffizienzgesetzt in Kraft. Die erste Bilanz stuft Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung für Umwelt und Energiepolitik der WKO, allerdings als „ernüchternd“ ein. Den Grund dafür sieht er in der fehlenden Richtlinienverordnung auf die sich Wirtschaft-, Umwelt- und Sozialminister noch einigen müssen.

Insgesamt soll das Gesetzt den Energieverbrauch in Österreich jährlich um 0,6 Prozent senken. Energielieferanten sind verpflichtet im Ausmaß von 0,6 Prozent der im Vorjahr an inländische Kunden gelieferten Energie Einsparungsmaßnahmen vorzunehmen. Diese Maßnahmen sollen auf verschiedenen Ebenen gesetzt werden, die dann auch handelbar sind. Ein eigener Markt für Energiesparmaßnahmen soll geschaffen werden. Sollten die Ziele nicht erreicht werden drohen Strafzahlungen. Schwarzer, , fürchtet, dass jährlich 350 Millionen Euro fällig werden. Während der gesamten Einsparungsperiode bis 2020 rechnet er mit 2,1 Milliarden Euro, die vermutlich auf die Konsumenten abgewälzt werden.

Durch das Fehlen einer Richtlinienverordnung über die Anrechenbarkeit und den Wert der möglichen Sparmaßnahmen gibt es keine Rechtssicherheit, besonders für innovative Maßnahmen zum Energiesparen. Da die Verordnung noch nicht einmal in Begutachtung ist, kann sie laut Schwarzer frühestens im September in Kraft treten. Eine weitere Verzögerung von etwa sechs Monaten ergab sich dadurch, dass das Bundesverwaltungsgericht die Vergabe der Monitoring-Stelle an die österreichische Energieagentur und das Umweltbundesamt im Dezember 2014 gekippt hat.

Bisher wurden insgesamt vier Handelsplattformen dafür eingerichtet, um den Maßnahmenhandel abzuwickeln. Das Handelsvolumen liegt laut WKÖ unter einer Gigawattstunde. Eveline Steinberger-Kern, Geschäftsführerin der Plattform OneTwoEnergy erwartet jedoch, dass der Handel sich in den nächsten Monaten intensiviert. Ihre Plattform steht für Maßnahmen mit mehr als 100kWh aus Haushalten und Unternehmen zur Verfügung. Gehandelt werden kann etwa LED-Lampentausch, Gebäudeisolierung, Kessel- oder Gerätetausch sowie weitere energiesparende Maßnahmen.

Die drei weiteren Plattformen heißen Ethus, Energiebonus und E-Effizienz. Laut dem EnergieEffizienzRadar des Energieinstituts der Wirtschaft befindet sich der Markt noch immer im Test-Modus. Die Plattformpreise seien weit unter dem Ausgleichsbetrag von 20 Cent/kWh. Trotzdem warteten die Käufer noch ab. Der Handel über die privaten Online-Plattformen beziehungsweise die angebotenen Mengen seien tendenziell steigend.

Auch Private können von Energiesparmaßnahmen zumindest in einem kleinem Rahmen profitieren. Der Kauf einer LED-Lampe wird mit etwa 2,59 Euro abgegolten. Voraussetzung dafür ist, dass noch niemand die LED-Lampe in der Handelskette davor als Maßnahme eingereicht hat. Für den Kauf eines neuen Kühlschranls könnten 15 bis 20 Euro lukriert werden, hieß es in einer Pressekonferenz.

Autor:
APA – Austria Presse Agentur / Redaktion

 

Elektro Journal, 29. 07. 2015

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