Effizienzgesetz: Versorger setzen auf LED und Duschköpfe

Seit Jahresanfang müssen Energieversorger verpflichtend Energie einsparen. Den Konsumenten bringt das „Subventionen“.

Wien. Seit Anfang des Jahres ist Energiesparen Pflicht. Zumindest für heimische Energielieferanten. Sie müssen im Rahmen des Energieeffizienzgesetzes nachweisen, dass sie ihren Kunden pro Jahr um 0,6 Prozent weniger Energie liefern. Die Mineralölwirtschaft hat sich dieses Problems bereits im März durch einen Deal mit der Regierung entledigt. Sie versetzt Diesel mit einem Reinigungsadditiv, wodurch der Kraftstoff um 2,6 Prozent sparsamer verbrannt werden soll.

Anders die Situation bei den Stromversorgern. Sie müssen die Einsparung mit einer Vielzahl an Einzelmaßnahmen umsetzen und nachweisen. Daher wurde das Gesetz auch lange Zeit heftig bekämpft. Schlussendlich haben sich jedoch alle Stromlieferanten darauf eingestellt und führen seit einigen Monaten mehr oder weniger erfolgreiche Effizienzaktionen durch.

Ein Lieferant – die Ökostrom AG – kann sogar schon das Erreichen des Jahresziels vermelden. „Wir haben das Gesetz von Anfang an unterstützt und daher bereits im Oktober 2014 mit Maßnahmen begonnen“, sagt Ökostrom-Vorstand Lukas Stühlinger. Das Unternehmen ist mit 45.000 Kunden zwar deutlich kleiner als die meisten Landesversorger, gilt abseits von diesen aber als einer der größten heimischen Stromlieferanten.

1000 LED-Birnen

Erreicht wurde das Einsparungsziel von knapp einer Million Kilowattstunden (kWh) rund zur Hälfte über den Onlineshop mit den eigenen Privatkunden. Diese konnten dabei ihre durch den Strombezug erworbenen Bonuspunkte für den Kauf von LED-Birnen, warmwassersparenden Duschköpfen und sogenannten Stand-by-Killern (abschaltbaren Stromleisten) verwenden. Etwa 1000 Birnen wurden so in den vergangenen Monaten an den Kunden gebracht. Die zweite Hälfte des Ziels erreichte die Ökostrom AG mit der Subventionierung von größeren Anlagen wie Wärmepumpen, modernen Heizkesseln und Einsparungen im Gewerbe- und Industriebereich. Die Kosten für die Maßnahmen lagen dabei zwischen sechs und zwölf Cent je kWh.

„Dabei haben wir auch viel gelernt. So dachten wir anfangs, dass der stationäre Handel eine wichtigere Rolle spielen würde. Dort ergibt sich jedoch eine riesige und teure Administration. Im Onlinehandel sind Namen und Adresse der Kunden ja bereits bekannt und im System“, so Stühlinger. Dies ist nämlich wichtig, da die Kunden den Einspareffekt an den Versorger abtreten müssen. Ansonsten könnten die Kunden ihn selbst noch einmal an jemand anderen verkaufen. Entsprechende Online-Plattformen dafür sind seit dem Sommer ebenfalls bereits aktiv.

Geld für ÖBB-Ticket

„Derzeit sehen wir bereits eine hohe Aktivität bei den Angeboten, aber noch eine Zurückhaltung bei der Nachfrage“, sagt Eveline Steinberger-Kern, Geschäftsführerin der Verkaufsplattform One Two Energy. Wer einen Einspareffekt von zumindest 100 kWh nachweisen kann (entspricht drei LED-Birnen), kann die Maßnahme anbieten und sich abkaufen lassen. Der Preis je kWh beträgt dabei derzeit rund zehn Cent. Steinberger-Kern rechnet jedoch damit, dass dieser zum Jahresende ansteigen wird, wenn einzelne Versorger mit ihren Zielen nicht ganz zurande kommen. Wer seine Ziele nämlich nicht erreicht, muss laut Gesetz pro unerfüllter Kilowattstunde 20 Cent bezahlen.

Allerdings gibt es bei vielen Maßnahmen noch eine gewisse rechtliche Unsicherheit über deren Anerkennung. Die entsprechende Verordnung des Wirtschaftsministeriums soll erst diesen Herbst erlassen werden. Derzeit stützen sich die Versorger noch auf ein vorläufiges Methodendokument der eigens eingerichteten Monitoringstelle. Darin sind die Maßnahmen mit ihrem jeweiligen Effekt aufgelistet. Laut Gesetz können aber jegliche Maßnahmen eingereicht werden, bei denen ein Experte eine Einsparung belegt hat. Laut Steinberger-Kern hat daher ein Energieauditor den Kauf seines ÖBB-Jahrestickets auf die Plattform gestellt und sich von einem Versorger um rund 210Euro subventionieren lassen.

Inwiefern die Versorger zu Jahresende auf die Verkaufsplattformen zugreifen müssen, ist jedoch noch offen. „Wir hoffen, dass wir mit unseren Aktionen durchkommen“, meint Verbund-Sprecherin Ingun Metelko. Der heimische Stromkonzern subventioniert den Kauf von LED-Birnen, Heizkesseln oder Warmwasserthermen. Dafür kooperiert der Verbund mit Installateuren oder dem Rewe-Konzern. Die Angebote stehen für alle Österreicher offen.

Stärker auf die eigenen Kunden konzentriert ist man bei der EVN. Die Niederösterreicher haben bereits 16.000 Energiesparkits (fünf LED und ein Durchflussminderer für die Warmwasserleitung) an sozial Bedürftige und Jungfamilien unter ihren Kunden verteilt. Hinzu kommen Energieberatungen sowie Maßnahmen bei Industrie- und Gewerbekunden. „Heuer werden wir unser Ziel so erfüllen. Schwierig wird es in zwei bis drei Jahren werden, wenn alle bereits mit LED-Birnen versorgt sind“, meint EVN-Sprecher Stefan Zach.

 

Die Presse, 08. 09. 2015

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2016-08-04T10:49:46+02:00